Frank Klötgen: Die Pocke

Die Pocke (gekürzte Slamversion, Stand 2016)

Fest gewachsen im Gesichte
Prangt das Horn in Talg gebannt
Es blitzt hervor im Spiegellichte
Und raubt der Maid den Restverstand
In der Drüse heiß
Brüht ein Seibersuppenscheiß
Blüht auf zur Ausschlag-Show  – ohne Entrinnen!
Denn der Ekel kommt von innen!
Wo die schwere Milch der Pubertät
Die pockemon'sche Pustel bläht
Dass sie erglüht zum säftesatten
Facebuckel Entstellt-mir-Button

Wehe, wenn der losgelassen!
Wachsend ohne Widerstand
Durch die vollgeklebten Gassen
Wälzt ein ungeheurer Brand
Lodert auf – recht konkludent – zum
Epidermien-Epizentrum

Schwer erbärmlich grämt sich schon
Ihr Leid lamentierend, lädiert und belämmert
Nah 'ner Emo-Eruption
Die Lady, der nunmehr ein Ungemach dämmert
Ob der körpereignen Lava –
Grad, da man dem Lover nah war!

Wenn Mitesser den Tisch eindecken
Heißt's sich vorm Spiegelglas verstecken
Drum prüfe, wer sich ähnlich windet
Ob man nicht besser gleich erblindet!

Doch was Clearasil nicht fortgeschafft
Entleert agil der Finger Kraft:

Jetzo mit dem Druck der Nägel
Walk des Eiters grausig Gruft
Dass der grützgeword'ne Egel
Steige, in die Himmelsluft!
Oh, Blut rinnt, wenn das Ödem aufknackt
Es sprenkelt die geborst'ne Haut
Wenn man jetzt stärker draufzwackt
Seiht ein Süppchen aus der Braut
Weiße Blasen seh ich springen
Wohl, die Massen sind im Fluss
Lass sie durch die Poren dringen
Sporentief erzwing'n den Guss
Dass die zähe Götterspeise
Fließe nach der rechten Weise!
Rauschend in des Henkels Bogen
Schießt's mit cremefarbenen Wogen

Freude hat mir Gott gegeben!
Sehet, wie ein goldner Zopf
Aus der Hülse, blank und eben
Schält sich ambern nun der Pfropf!
Freude ist des Ausdrucks Beute
Friede sei mit Euch, Ihr Häute!

Leergebrannt
Scheint nun die Stätte
Ruhe im Follikel-Bette
Doch wo so'ne Säfte sinnlos wallen
Da regt sich bald ein neues Leben
Im einstmals prallen Pocke-Ballen
Tja, mein Schatz - so ist das eben!

Und verzeiht mir mein Mir-zu-erlauben
Vom "Fest gemauert ..." abzustauben!
Die Glocke wird an zähen Strängen
Auch weiterhin ganz oben hängen
Mich drängt's nur auf die kleinen Rosse
Als Schillerglockenhaifischflosse
Und so verzeiht mir mein Exzempoem
Frank Klötgen, Dichter – angenehm!

Frank Klötgen: Die Macher schöner Worte

Die Macher schöner Worte

Die Macher schöner Worte

Obacht, die Macher schöner Worte
Lungern wieder rum vor Orte
Lauern auf die arglos Hör'nden
Hol'n dann aus zum grundverstör'nden
Tunichtguten Wörterschwall
Und: Ja, dies ist ein Überfall!
Wenn's wie aus üblen Kübeln gießt
Vom Überall ins Weltall schießt
Metrumgeballiterationen
Ein tönlicher Anschlag ohn' inneren Halt
Und vollmundig zücken sie ihre Kanonen
Man schwingt dich zum Paarreim metTaphengewalt!
Hörst du, wie die Terrorzell'
Schert sich um dein Trommelfell?
Kein Flimmerhaar bleibt ungeschor'n
Beim Spliss bis über beide Ohr'n
Und gefällig vom Selbst wird mit Versen gegerbt
Bis jeder Pelz sich hautfarb'n färbt
Nur genügt's denen nicht, dich massiv zu rasier'n
Sie woll'n dich mit Worten lasziv penetrier'n!

Du bist, mein Kind, so unverdorb'n
Drum schütze dich und deine Ohr'n!
Und lass dir nicht von ihnen erzähl'n
Nicht lyrisch den Gehörgang pfähl'n!
Denn mit dem Schöne-Worte-Machen
Könn'n die ein'n Furor entfachen
Dass manchem girl le coeur mutiert
Es trugbeschwörend perturbiert
Betört von all dem Unerhörten
Das die Hörrn Poöten röhrten
Der'n ungestimmtes Reden-Lied
Bald klebrig-webig Fäden zieht

Das Netz ist gespannt – und die Spinner, sie warten
Auf die, die da in ihre Fallen geraten
Schon umschwirr'n sie die zierlichsten Cheerleaderchicks
Und bezirzt von der Zierde stilistischer Tricks
Gier'n die Gör'n vorm Geysir wirrer Lautakrobatik
Verirrt, irritiert ob der schieren Ekstatik
So ködern Schöne-Worte-Macher
Da und dort per schnödem Lacher
Um mit Leer'n der vollen Backen
Mädels an die Seel'n zu packen
Die, zunächst vom Klang verzückt
Schwärmerisch der Welt entrückt
Purzeln ohne Gegenwehr
Plumps! in den Poetenteer

Gib dich nie solcher Wollust hin
Denn Unheil ist der Wortlast Sinn!
Lauscht du ihr zu unbekümmert
Wird vom Rausch dein Hirn zertrümmert
Drum halte der Versuchung stand
Und kleid' dich nicht im Wortgewand!

Es sind die Macher solcher Worte
Von der Üblen-Strolche-Sorte
Der'n tiefer Wahn ward schon oft hart bewundert
Als Trip mit Schiefe Bahncard Hundert

Wie gerne würd'n wir diesen Nieten
Kurzerhand den Mund verbieten!
Tand und Schund ist all ihr Tun
Und dass die von sich selbst Berauschten
Mit ihr'm künstlich Aufgebauschten
Schwätzen ohne auszuruh'n
Ist gewisslich wenig sittlich
Scheint's auch manchmal appetitlich

Doch Mädchen, vor die Wahl gestellt
Welches Mahl von dir bestellt
Bestehe auf ein "Ohne Worte"!

Lockt auch mal ein Schundpoem
Feist wie feinste Buttercreme
Dann greif lieber gleich zur Torte!

"Kitt!" - alle Slamtexte von 2011-2012

Frank Klötgen: Kitt!

... diese und 6 weitere Slamklassiker (u.a. die Gedichte "Das Soll der Strolche", "Halt durch, Joe Frazier!", "Auf Kaperfahrt" und "Einzelhaft vs. Zellteilung (Zur Evolution des Brotteigs)") sind in dem Band "Kitt!" (November 2012) zu finden. Außerdem 93 weitere (Kurz)Gedichte.

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